Bauspardarlehen lohnen gegenwärtig kaum
Bauspardarlehen sind zur Zeit in den meisten Fällen teurer als ein normales Hypothekendarlehen. Wer einen zuteilungsreifen Bausparvertrag besitzt, sollte ihn deshalb nicht blindlings bei einer anstehenden oder schon laufenden Finanzierung einsetzen. Mitunter kann es sogar sinnvoll sein, ein Bauspardarlehen in ein Annuitätendarlehen umzuschulden.
Bausparverträge werden zumeist in der festen Erwartung abgeschlossen, dass sie später eine konkurrenzlos günstige Finanzierung der eigenen vier Wände ermöglichen. Tatsächlich konnte man über Jahrzehnte hinweg einen zuteilungsreifen Bausparvertrag in eine Finanzierung einbauen ohne lange zu prüfen, ob sich das auch wirklich lohnt. In den letzten Jahren hat sich dies jedoch geändert. Aufgrund des sehr niedrigen allgemeinen Zinsniveaus wurden normale Hypothekendarlehen so billig, dass sich zumindestens bei einigen Bauspartarifen die Inanspruchnahme des Darlehens gar nicht mehr rechnete. Derzeit liegen die Zinsen für Hypothekendarlehen sogar so niedrig, dass die meisten Bausparkredite kaum noch lohnen. Während beim Gros der jetzt zuteilungsreif werdenden Bauspardarlehen der effektive Jahreszins bei 4,5 bis 5 Prozent oder noch höher liegt, kosten Hypothekendarlehen mit einer zehnjährigen Zinsfestschreibung derzeit im Schnitt nur 4,3 Prozent effektiv. In der Spitze liegen die Angebote sogar bei nur 3,85 Prozent.
Auf diesem niedrigen Niveau sind Bauspardarlehen oftmals nicht einmal mehr eine Alternative zu einem nachrangig gesichertem Annuitätendarlehen, für das die Kreditinstitute wegen des höheren Rückzahlungsrisikos regelmäßig einen Zinsaufschlag berechnen. Lediglich bei kleineren Kreditbeträgen lohnen die meisten Bausparverträge auch heute noch.
Dass die Kreditinstitute von sich aus von der Inanspruchnahme eines Bauspardarlehens abraten, darauf können Eigenheimfinanzierer nicht vertrauen. Bei Fremdprodukten fällt das den Anbietern zwar leicht. Vor allem die Bausparkassen selbst tun sich jedoch tendenziell schwer, ihren Kunden reinen Wein einzuschenken – zumal sie gerade bei Neufinanzierungen noch zusätzliche Bausparverträge verkaufen möchten. Hinzu kommt, dass zumindest für einige Bausparkassen die nicht in Anspruch genommenen Kredite allmählich zum finanziellen Problem werden.
Wer einen zuteilungsreifen Bausparvertrag besitzt, sollte sich deshalb zunächst den Effektivzinssatz des Bauspardarlehens anschauen. In vielen Fällen lässt sich schon daraus ersehen, ob der Kredit zu teuer ist. Ansonsten sollte man sich einen Vergleich mit einem Annuitätendarlehen vorrechnen lassen. Wichtig ist dabei allerdings, dass der gleiche Nettokreditbetrag und gleiche monatliche Ratenzahlungen zugrunde gelegt werden. Bei einigen Bauspartarifen ist in der Berechnung zudem zu berücksichtigen, dass ein Verzicht auf das Bauspardarlehen mit einer höheren rückwirkenden Guthabenverzinsung belohnt wird. In solchen Fällen kann der ausgewiesene Effektivzins für ein Darlehen durchaus attraktiv erscheinen, obwohl es Wirklichkeit – unter Beachtung der höheren Verzinsung bei Darlehensverzicht – gänzlich unwirtschaftlich ist. Im Zweifelsfall sollte deshalb vorsichtshalber die Verbraucherzentrale gefragt werden.
Wer bereits ein größeres Bauspardarlehen mit einem Nominalzins von 4,5 Prozent und mehr laufen hat, sollte schließlich prüfen, ob nicht eine Umschuldung in ein zinsgünstiges Annuitätendarlehen Vorteile bringt. Dies gilt insbesondere für Darlehen mit einer Restschuld von über 50.000 Euro. Eine solche Umschuldung ist verhältnismäßig einfach, weil Bauspardarlehen jedenfalls einen Vorteil haben: Bei einer vorzeitigen Ablösung fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an.
Fr, 21. Jan 2005



