Bauspardarlehen – so günstig wie noch nie?
In den letzten Jahren mussten etliche Bausparer feststellen, dass sie vergeblich auf einen vermeintlich günstigen Darlehenszins hin gespart hatten. Denn klassische Hypothekendarlehen wurden zu einem niedrigeren Zins angeboten, als ihn die meisten Bausparverträge garantierten. Bei einigen der jetzt angebotenen Tarife dürfte sich das künftig wohl kaum wiederholen. Denn sie enthalten Darlehenszinssätze, die selbst bei japanischen Verhältnissen am Kreditmarkt noch konkurrenzfähig wären. Die Bausparkasse Schwäbisch Hall bietet mit ihrem Tarif Fuchs Spezial beispielsweise einen Darlehenszins von 1,95 Prozent nominal und 2,34 Prozent effektiv an. Die Landesbausparkasse Bremen hat bei ihrem Tarif Classic N die Zinslatte noch etwas tiefer gelegt: auf 1,75 Prozent nominal und 2,08 Prozent effektiv. Und die Deutsche Bank zeigt seit kurzem, dass es noch niedriger geht. Bei ihrem Tarif Optimo 1K kostet das Bauspardarlehen ein Prozent nominal und 1,66 Prozent effektiv.
In der Werbung werden diese winzigen Zinsen groß herausgestellt. Schaut man genauer hin, dann zeigt sich allerdings: Für diejenigen, die noch vom Kauf oder Bau eines Eigenheims träumen, sind diese Tarife zumeist gar nicht geeignet. Das liegt zum einen daran, dass diese supergünstigen Bauspardarlehen sehr schnell getilgt werden müssen. Bei den genannten Tarifen der LBS Bremen und der Deutsche Bank Bauspar liegt die Rückzahlungszeit bei sechs Jahren und ein paar Monaten; das Fuchs Spezial-Darlehen von Schwäbisch Hall muss sogar in fünfeinhalb Jahren getilgt werden. Das aber bedeutet sehr hohe monatliche Belastungen. Bei der LBS sind bei dem genannten Tarif für ein Darlehen über 100.000 Euro monatlich 1.340 Euro zu zahlen. Bei der Deutschen Bank Bauspar sind es 1.400 Euro und bei Schwäbisch Hall sogar 1.600 Euro. Bei einem klassischen Hypothekendarlehen über 100.000 Euro liegt die monatliche Belastung bei einem Nominalzins von fünf Prozent und einer anfänglichen Tilgung von drei Prozent demgegenüber nur bei 666 Euro. Diese Zahlen zeigen, dass die Bauspartarife mit den extrem niedrigen Zinsen praktisch nur für zwei Gruppen in Frage kommen: für künftige Eigenheimerwerber, die bereits über sehr viel Eigenkapital verfügen und nur noch relativ wenig Kredit aufnehmen müssen, und für Eigenheimbesitzer, die lediglich eine Modernisierung planen und dafür ebenfalls nur einen vergleichsweise kleinen Kredit benötigen.
Aber auch in solchen Fällen würden sich die Niedrigzinstarife allenfalls lohnen, wenn das für die Bauspardarlehen nötige Guthaben sehr schnell angespart wird und das Zinsniveau allgemein relativ niedrig ist. Denn die Kehrseite der winzigen Darlehenszinsen ist eine noch winzigere Guthabenverzinsung in der Ansparphase. Bei der Deutschen Bank Bauspar und bei Schwäbisch Hall wird das Guthaben lediglich mit einem Prozent verzinst. Bei der LBS Bremen bekommt der Bausparer sogar nur 0,75 Prozent. Die effektive Verzinsung liegt noch niedriger, da jeweils eine Abschlussgebühr zu zahlen ist und zum Teil auch Kontoführungsgebühren anfallen.
Wer solche Bausparverträge wählt, muss folglich auf höhere Guthabenzinsen verzichten und dies kann zu einem sehr schlechten Geschäft werden. Bei dem Tarif der Deutschen Bank Bauspar sieht die Regelbesparung vor, dass ein Kunde zirka 10 Jahre und vier Monate lang 200 Euro sparen muss, um ein Darlehen von rund 25.00 Euro zu erhalten. Legt man die 200 Euro alternativ zu vier Prozent Zinsen in einem guten Banksparplan an, wäre das Guthaben nach 10 Jahren und vier Monaten um 5.165 Euro höher. Dieser Betrag entgeht dem Sparer, wenn er den Bausparvertrag wählt. Berücksichtigt man diese Opportunitätskosten, so liegt die effektive Kostenbelastung des Bauspardarlehens nicht bei 1,66 Prozent, wie es angegeben wird. Sie beläuft sich vielmehr auf 9,95 Prozent. Bei einer schnelleren Besparung fällt das Ergebnis etwas weniger ungünstig aus. Für den Tarif von Schwäbisch Hall würde sich aber selbst im Fall der schnellstmöglichen Zuteilung noch eine effektive Kostenbelastung von acht Prozent ergeben, wenn die entgangenen Guthabenzinsen mitberücksichtigt werden.
Mo, 31. Mär 2008

